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Feuerwerk und Freudentränen

Events „Outsider“ holt als erste Yacht im Ziel den ersehnten Titel „First Ship Home“. Das Team der „Parsifal III“ hingegen musste die bittere Entscheidung treffen, aus dem HSH Nordbank blue race auszusteigen. „Taonga“ läuft mit gerissenem Großsegel ab und scheidet ebenfalls aus dem Rennen.

Licht und Schatten lagen für die 24. Yachten des HSH Nordbank blue race an diesem
Wochenende ganz nah beieinander. Die Crew der „Outsider“ wurde unter großem Jubel als erstes Schiff der Flotte in Cuxhaven begrüßt. „Welcome home“ stand auf den T-Shirts des großen Empfangskommitees, der Rettungskreuzer „Hermann Helms“ schickte
Wasserfontänen in den grauen Himmel und sogar ein kleines Feuerwerk wurde
entzündet, als die silbergraue Yacht um 16.14 Uhr die Ziellinie vor
Steubenhöft querte. Gut 100 Freunde und Verwandte waren gekommen, um die
Atlantik-Segler nach den Strapazen zu begrüßen. 14 Tage, 20 Stunden und 14
Minuten und 10 Sekunden war die deutsch-neuseeländische Crew unterwegs.
Obwohl das Wetter Tilmar Hansen und seinem Team den fulminanten Endspurt
vermasselte, und die „Outsider“ mühselig ins Ziel kreuzen musste, war der
Jubel groß: Der zweifache Admirals Cup Gewinner aus Kiel ließ sich den Titel
„First Ship Home“ nicht nehmen und erreichte als erste Yacht der 3600
Seemeilen langen Nordatlantik-Wettfahrt das Ziel.
Fünf blonde junge Damen stürzten gleich nach der Ankunft auf den 57-jährigen
Skipper zu. Endlich hatten die Hansen-Töchter ihren Vater wieder. Strahlend
trotz der Strapazen, die ihm noch anzusehen sind, sagt Hansen über seine
erste Transatlantikregatta: „Ich bin überglücklich. Wir wollten zwei Wochen
unterwegs sein, jetzt ist es ein bisschen mehr geworden, aber es war eine
schöne Zeit. Ich bin froh, eine so tolle Mannschaft zu haben. Die Wertung
der ersten Startgruppe führen wir auch berechnet momentan an und die anderen
müssen erstmal ins Ziel kommen“, so Hansen. Auch Konstrukteur Greg Elliott
aus Neuseeland war sichtlich begeistert über die Leistung des erst im
November 2006 fertig gestellten Carbon-Racers, der mit Schwenkkiel
ausgestattet ist.
Freudentränen gab es bei Stefanie Scheel. „Ich war total aufgeregt und ganz
kribbelig“, erzählt die 26-Jährige. Die Berlinerin war sichtlich froh, ihren
Freund Gunnar Bahr endlich wieder zu sehen. „Es war schlimmer als gedacht,
aber auch schön“, meinte der 32-Jährige Bahr (ebenfalls Berlin), der bereits
mit Jochen Schümann im Soling olympisches Silber ersegelte. Navigator Ole
Sartori (42, Kiel), der gemeinsam mit Wetterrouter Meeno Schrader aus Kiel
für den richtigen Kurs sorgte, wurde von Ehefrau Susi und der acht Monate
alten Tochter Luca stürmisch empfangen. Ein Bier und eine Dusche waren die
dringlichsten Wünsche, die Christian Stoffers (22, Kiel) nach den ersten
Umarmungen äußerte. Nach zwei harten Wochen in der
Salzwasser-Tropfsteinhöhle freuen sich die Segler nun auf ein gutes Essen,
warmes Süßwasser und ein trockenes Bett.

Gedrückte Stimmung herrschte am Wochenende hingegen auf dem größten Schiff
der Flotte. An Bord der „Parsifal III“ führte eine ganze Kette von
Ereignissen dazu, dass die Crew die bittere Entscheidung treffen musste, aus
der Regatta auszusteigen. Der Großbaum wurde in einer Halse beschädigt, eine
Fallwinsch abgerissen, mehrere Segellatten gebrochen und das Unterliek des
Besans herausgerissen. „Das Großsegel und der Besan sind nicht mehr
einsetzbar. Das Schiff kann so nicht mehr am Wind gesegelt werden“, schrieb
das Team in einer Email von Bord.
Mit Bordmitteln sind die Schäden am Großbaum und am Besan nicht zu beheben
und damit kann die „Parsifal III“ den vorgeschriebenen Kurs nördlich um
Schottland herum nicht segeln. Stattdessen fährt die 54 Meter lange Yacht
nun unter Maschine durch den Englischen Kanal nach Cuxhaven. „Wir bedauern
diese Entscheidung sehr, aber die Sicherheit für die Besatzung und das
Schiff gehen vor“, entschied die Mannschaft.

Und von der „Taonga“, der Marten 49 von Jochen Claussen aus Hohenaspe kam am
Sonntag die Meldung: „Das Großsegel ist über mehrere Meter am Achterliek
aufgerissen, wir müssen nach Belfast ablaufen und einen Segelmacher
aufsuchen, für uns ist das Rennen gelaufen“.

Im Race Tracker werden die beiden Yachten weiter zu verfolgen sein, doch im
Ranking und der Berechnung der Ankunftszeiten sind sie nun nicht mehr
enthalten. 21 Yachten sind noch auf Kurs und kämpfen weiterhin um den Sieg
im HSH Nordbank blue race. Denn auch wenn die „Outsider“ bereits im Ziel
ist, so hat sie die Regatta keinesfalls gewonnen. Für den Sieg gilt die am
Ende mit einem Handicap-Faktor verrechnete Zeit und somit steht der
Gewinner erst fest, wenn alle Yachten Cuxhaven erreicht haben.
Americas Cup Veteran Ken Read (Newport/USA) und seine „Rambler“ – Crew, die
im zweiten Start am 23. Juni ins Rennen gingen, rauschen derzeit östlich am
Hauptfeld vorbei und führen die Wertung an.

Ankunft in Hamburg
Die „Outsider“ wird voraussichtlich mit der Tide am Montagvormittag den Weg
nach Hamburg antreten. Dort soll die Crew mit Salutschüssen von Bord der
„Rickmer Rickmers“ und Wasserfontänen vom Feuerlöschboot der Hamburger
Feuerwehr empfangen werden. Am Nachmittag macht die Yacht dann im City
Sporthafen fest.

Mareike Guhr

Veröffentlicht am Sonntag, 01.Juli. @ 22:29:45 CEST von Frank
 
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